Herzfrequenzvariabilität (HRV)
Was bedeutet Herzfrequenzvariabilität?
Die Herzfrequenzvariabilität zeigt an, wie gut sich unser autonomes Nervensystem an Belastungen anpassen kann. Ein gesunder Lebensstil kann die Herzfrequenzvariabilität verbessern.
Unser Herz schlägt mal langsamer, mal schneller. Je nachdem, ob wir ruhig auf dem Sofa sitzen oder uns gerade beim Sport auspowern. Doch unser Herz ist kein Metronom. Der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen ist nie genau gleich, sondern schwankt im Bereich von Millisekunden. Das nennt man Herzfrequenzvariabilität oder auch Herzratenvariabilität (HRV).
Was sagt die Herzfrequenzvariabilität aus?
Wir können unseren Herzschlag fühlen, doch bewusst steuern können wir ihn nicht. Dafür verantwortlich ist das autonome Nervensystem, das zum Beispiel auch den Blutdruck, die Atmung oder die Verdauung reguliert. In diesem gibt es zwei Gegenspieler: Sympathikus und Parasympathikus.
Wenn man unseren Körper mit einem Auto vergleicht, dann ist der Sympathikus das Gas und der Parasympathikus die Bremse.
In Ruhe oder bei geringer Anstrengung dominiert der beruhigende Effekt des parasympathischen Nervensystems. Die Herzfrequenzvariabilität ist dann hoch.
In einer akuten Situation von Stress versetzt uns der Sympathikus in Alarmbereitschaft und die Herzfrequenzvariabilität sinkt.
Eine hohe Herzfrequenzvariabilität weist auf ein gesünderes autonomes Nervensystem hin, was dem Organismus ermöglicht, besser auf Stressoren zu reagieren. Als Stressoren gelten sowohl körperliche als auch psychische Belastungen.
Wie werden die Werte ermittelt?
Die beste Methode zur Messung der Herzfrequenzvariabilität ist ein Elektrokardiogramm (EKG). Dabei wird die elektrische Aktivität, die für den Herzschlag verantwortlich ist, mit auf der Brust aufgeklebten Elektroden aufgezeichnet. Auf einem Bildschirm sieht man den Herzschlag als charakteristischen Zackenverlauf. Die größte Zacke wird als R-Zacke bezeichnet. Diese stellt die Erregung der beiden Hauptkammern des Herzens dar und korreliert mit der eigentlichen Herzaktion.
Für die Berechnung der Herzfrequenzvariabilität sind die Abstände zwischen jeweils zwei Herzschlägen, also zwei R-Zacken, relevant: die RR-Intervalle. Synonym wird der Begriff NN-Intervall verwendet (normal to normal).
Die HRV wird meist über einen Zeitraum von fünf Minuten gemessen. Bei einem Langzeit-EKG beträgt der Messzeitraum 24 Stunden. Aus den Daten der NN-Intervalle lassen sich verschiedene statistische Kennzahlen und damit unterschiedliche Parameter der Herzfrequenzvariabilität ableiten.
Zwei Beispiele:
SDNN (standard deviation of NN intervalls) ist ein Indikator für die Höhe der Gesamtvariabilität. Hohe SDNN-Werte bedeuten eine hohe Herzfrequenzvariabilität und umgekehrt.
Ein weiterer wichtiger Parameter ist RMSSD (root mean square of successive differences), der zur Betrachtung des parasympathischen Einflusses dient.
Hirn und Herz
Die Herzfrequenzvariabilität ist das Resultat aus der Kommunikation zwischen Gehirn und Herz. Die seigt an, wie gut sich das autonome Nervensystem an Belastungen anpassen kann.
Hoch oder niedrig?
Eine hohe Herzfrequenzvariabilität gilt als Hinweis für einen guten Gesundheitszustand. Niedrige Werte dagegen können auf Krankheiten oder hohe Stresslevels hindeuten.
Lebensstil
Unser Lebensstil beeinflusst die Herzfrequenzvariabilität. Stress, Rauchen oder Alkoholkonsum lassen sie sinken. Sport hingegen hat einen positiven Einfluss.